Am Freitag den 01.11.2013 einen Tage nach der lang erwarteten Nexus 5 Vorstellung von Google, habe ich mich entschlossen das neueste Nexus Flaggschiff zu bestellen. Ziel war einfach mal wieder einen Blick in das Android-Ökosystem zu bekommen und die aktuellen Entwicklungen von Google zu verfolgen. Auch war ich daran interessiert was Google auf den Markt bringt wenn Sie weitestgehend freie Hand bei Hardware und Software haben. Pure Android-Experience von Google also.

Meine letzten Nexus Geräte waren ein Nexus S und ein Galaxy Nexus. Das Nexus 4 habe Ich mir zwar mal angeschaut aber beschlossen es nicht zu kaufen. Gründe waren vor allem die Haptik und das Design.

Eine Warnung vorweg. Nachdem ich viele Jahre im Android Lager war (Galaxy i7500, HTC Desire, Nexus S, Galaxy Nexus) bin ich 2012 auf ein iPhone 5 gewechselt und momentan auch mit der neusten Iteration dem iPhone 5s unterwegs.

Warum ausgerechnet von Android zu iOS? Gibt dann natürlich viele Kommentare ala “Wie kannst du nur von einem offenen System mit vielen Freiheiten in ein so geschlossenes System wechseln”. Ich selber hab ja früher die Analogie gebracht, dass man im Apple System in einem 5-Sterne Luxus Gefängnis sitzt, während man bei Android zwar frei ist, allerdings qualitativ leiden muss. Heute trifft das auf beide Systeme eher nicht mehr zu. Android auf Smartphones hat sich stark verbessert und auch die Qualität der Apps nimmt weiter zu.

Der ausschlaggebende Grund für den Wechsel Android->iOS war, dass Ich einen Blick in die Android-Tablet Welt wagen wollte und mir ein Galaxy Tab (10“, iPad 2 Konkurrent) gekauft habe. Ich war damit auch mehr oder weniger zufrieden. Nachdem aber das iPad 3 vorgestellt worden ist und ich vom Retina-Dispay (jaja Marketing…) so begeistert war, bin ich auf ein iPad gewechselt. Nachdem ich dann mit iOS so extrem zufrieden war, war der nächste Schritt eben ein iPhone zu holen. Ich bereue das auch nicht, im Gegenteil ich habe momentan so gut wie keine Gründe wieder zu Android zu wechseln. Auch sehe ich im Tablet-Bereich Apple immer noch sehr weit voraus. Qualitativ hochwertige Apps erscheinen da meist früher oder sind sogar Exklusiv. Dazu gibt es 99% der Apps in einer speziell angepassten iPad Version während bei Android man oft nur ”aufgeblasene" Smartphone Apps zu Gesicht bekommt. Ich werde im weiten Verlauf dieses Posts das Nexus 5 auch in einigen Bereichen mit dem iPhone 5s vergleichen.

Trotzdem hab ich mir ein Nexus 5 bestellt weil ich eben Wissen wollte was Googles Vision von Android ist. Software und Hardware aus einer Hand (auch wenn es von LG gebaut ist), ist aus meiner Sicht die beste Lösung für eine optimale User Experience. Alles andere ist nur ein Kompromiss.

Ich hab keine Lust auf ein Smartphone, dass erstmal mit Bloatware (Hallo Samsung) vollgeladen ankommt. Das selbe Problem hab ich auch schon immer mit Windows Desktops/Laptops gehabt. Gibt natürlich immer die Möglichkeit die Bloatware zu killen (Bootloader Unlock, Root, neue SW-flashen), darauf hab ich momentan aber einfach keine Lust, weil es zeitaufwendig ist und man oft ein Kompromiss in Sachen Stabilität eingehen muss.

Das Nexus 5 in Schwarz mit 32Gb kam dann auch überraschend schnell am Dienstag den 05.11.2013 an obwohl Google eine Lieferzeit von 2–3 Wochen angegeben hat.

Erster Eindruck

Kurz: Mir gefällt das Design, es ist leicht, es fühlt sich gut in der Hand an, die Größe ist in Ordnung.

Google spendiert dem Nexus 5 ein sehr minimalistisches Design das LG mit einer guten Verarbeitung umsetzt. Es wackelt nichts und durch die “Soft-Touch” Rückseite fühlt sich das Gerät sehr gut in der Hand an. Es hat allerdings definitiv nicht das edle Look & Feel eines iPhones. Mit 130g wiegt es nur geringfügig mehr als das 5s mit 112g und fühlt sich durch die Größe fast leichter an als das Smartphone aus Cupertino.

Die Abmessungen betragen (HxBxT): 137,8 mm × 69,1 mm × 8,6 mm

Über die Tiefe von 8,59mm kann man sich nicht beschweren. Es ist auf keinen Fall “Dick”, gehört aber auch nicht zu den dünnsten Smartphones am Markt.

Display

Google baut ein 1080p IPS Display in das Gerät. Auf 4,96“ ergibt das eine Pixeldichte von 445 PPI (Pixels per Inch). Von solchen Werte konnten man vor einigen Jahren nur träumen. Das HTC Desire das März 2010 auf den Markt kam, galt mit seinen 800x480 auf 3,7” (252 PPI) damals schon als High-End. In gerade mal drei Jahren hat sich die Industrie hier selbst übertroffen. Wie sinnvoll das ist bleibt für mich aber etwas fraglich.

Ich denke bis zu einem gewissen Maße lohnt es sich die PPI zu pushen. Die Qualität eines Displays definiert sich aber sicherlich nicht nur durch die Anzahl der Pixel die es darstellen kann. Farbwiedergabe, Helligkeit, Blickwinkelabhängigkeit und andere Faktoren spielen eine fast ebenso große Rolle für ein subjektiven Eindruck des Displays. Aus meiner Sicht sollten sich Tech-Blogs auch wieder mehr mit der eigentlich Qualität eines Display beschäftigen und nicht immer nur über PPI reden.

Durch die immer höher werdende Auflösung nehmen auch die Anforderung an die SOCs (System-on-a-Chip) zu, da die einzelnen Pixel dargestellt werden möchten. Ich behaupte 300 PPI reicht. Taktet die SOC dafür dann lieber etwas tiefer und gebt uns damit bessere Akklaufzeiten. Auch muss bei 300PPI nichtmehr soviel Licht “erzeugt” werden so dass die interne Hintergrundbeleuchtung weniger Strom braucht. Zusätzlich hat man in grafisch anspruchsvollen Anwendungen einen Performancevorteil. Am Beispiel iPad 2 (bzw. iPad Mini) zu iPad 3 sieht man das Pixel Performance erfordern. Während das iPad 2/Mini heute immernoch eine gute Performance liefert, leidet das iPad 3, das ein nach dem iPad 2 auf den Markt kam, durch die riesige Auflösung. Zusätzlich ist es schwerer und dicker geworden. Einen Umstand den Apple erst vor ein paar Wochen mit dem iPad Air kompensieren konnte.

Da komme Ich nämlich auch zum Manko des Displays. Das Nexus 5 hat natürlich ein überragend scharfes Display mit einer recht guten neutralen Farbwiedergabe. Allerdings sind die Blickwinkel nicht ideal. Wenn man das Gerät von der Seite anschaut bekommt das Schwarz recht schnell ein grauen Schleier. Da ist aber kein so großes Manko und deshalb kann man das Display aus meiner Sicht immer noch als sehr gut bezeichnen. Besonders gefällt mir die neutrale Farbwiedergabe. Wenn man ein AMOLED Gerät daneben legt, sieht man deutlich wie übersättigt AMOLED eigentlich aussieht. Ist natürlich nur subjektiv. Vielen Leuten gefallen diese “starken Farben”.

Kamera

Vor ein paar Jahren als die ersten Mobiltelefone (aka “Handys”) mit Kamera auf den Markt kamen, gab es noch oft den Spruch “Wer braucht den eine Kamera auf dem Handy, ich will damit doch nur telefonieren”. Tja so ändern sich eben die Zeiten. Heute ist eine gute Kamera ein Kriterium das über Erfolg und Misserfolg eines Smartphones entscheiden kann. Im Zeitalter von Instagram, Facebook und Twitter ist es einfach essentiell immer und überall eine gute Kamera dabei zu haben. Aber auch für die “Anti-SocialNetwork-Fraktion” ist eine Kamera in manchen Lebenssituationen eigentlich immer praktisch.

Die letzten Iterationen der Nexus-Geräte waren Kameraseitig leider immer ziemlich schwach bestückt. Beim Nexus 5 hat sich das glücklicherweise gebessert. Die Kamera macht unter Tageslicht sehr gute Aufnahmen. Allerdings sollte aus meiner Sicht eine Smartphone-Kamera eben in so gut wie jeder Lebenssituation gute Fotos machen. Hier versagt das Nexus 5 leider bei schlechtem (künstlichem) Licht. Der Auto-Fokus arbeitet hier miserabel und auch das Ergebnis ist eher bescheiden anzusehen.

Nokia und Apple machen hier einen deutlich besseren Job. Auch die Auslösegeschwindigkeit ist nicht besonders toll. Die Kamera-Software kann mich auch nicht wirklich überzeugen. Eine der ganz wenigen Sachen die Samsung, HTC und Sony besser hinbekommen als Google selbst.

Übrigens sind Smartphone-Kameras keineswegs mehr ein Gimmick das für Schnappschüsse genutzt wird.

Auch Professionelle Photographen setzen mittlerweile in einigen Bereichen auf die Kameras in ihrem Smartphone (meist iPhone) . 

Insgesamt ist die Kamera als mittelmäßig einzustufen.

Performance

Das Nexus 5 ist das schnellste Android Smartphone das ich je in den Händen halten durfte. Scrollen im Homescreen, Öffnen von Anwendungen oder Surfen im Web geht sehr schnell und bietet dadurch eine hervorragende User Experience. iOS reagiert aus meiner Sicht trotzdem auch merkbar etwas schneller. Wurde vor kurzem auch in einer Studie von Agawi aufgezeigt.

Webseiten im mitgelieferten Chrome-Browser laden sehr schnell und lassen sich auch komplett flüssig durchscrollen. Ebenso lassen sich grafisch aufwendige Spiele wie Asphalt 8 oder Real Racing 3 ohne Kompromisse mit vollen Details in einer hohen Framerate spielen.

Der verbaute Snapdragon 800 von Qualcomm bietet vier Kerne mit je 2,3Ghz. Damit ist er der schnellste SoC im Android Markt. Lediglich der von Apple entwickelte A7 Prozessor spielt hier in der selben Liga. Interessanterweise kommt der A7 dabei mit 2 Kernen mit je 1,2 Ghz zurecht. Der A7 SoC dürfte also unter Last erheblich weniger Strom ziehen als Qualcomm Snapdragon 800. Es scheint also als ob Apple der Konkurrenz hier um einige Meilen voraus ist.

Insgesamt spielt das Nexus 5 mit dem Snapdragon 800 und 2Gb verbautem Arbeitsspeicher in der höchsten Liga der Smartphones. Sehr gut.

Akku

Waren die Anforderungen an einen Akku in Sachen Feature-Phones noch in die Richtung 1 Woche - 1 Monat ist es bei Smartphones eher 1 - 3 Tage. Für mich muss ein Smartphone einen ganzen Tag durchhalten. Vor dem Schlafengehen kriegt es dann Strom um für den nächsten Tag wieder bereit zu sein. Ich bin ja mittlerweile dazu übergegangen keine Prozentanzeige mehr zu verwenden weil man dadurch nur dauernd auf die verbleibende Akku Ladung achtet (“battery anxiety”). Ich möchte mein Verhalten nicht an die Restanzeige des Smartphones koppeln. Ich möchte tun was ich eben gerade tun möchte. Mit dem iPhone bin ich da sehr zufrieden und habe noch nie Probleme gehabt über den Tag zu kommen. Das Nexus 5 hat einen großen 2300mAh Akku. Einige möchten Argumentieren das ein LG G2 oder Note 3 bereits 3000mAh Akku verbaut haben. Ich denke aber das Problem Akkulaufzeit sollte man nicht mit der Denkweise “Wir bauen die Geräte immer größer damit wir immer größere Akkus reinbringen können” lösen.

Die zwei größten Akku-Verbraucher im Alltag sind das Display und der SoC. Wenn man gerade per Navi unterwegs ist, spielt GPS auch noch eine große Rolle. Die ersten Tage mit den Nexus 5 waren eine pure Enttäuschung. Nach 1h Display On-Zeit und ca. 12h Standby ist der Akku von 100% auf 25% gesunken. So schwach hab ich noch nie einen Akku in einem Mobiltelefon erlebt. Nachdem ich in den Android Einstellungen nach potentiellen Akku-Killern geschaut habe, entdeckte ich den “Mediaserver” Service, der laut Anzeige 50% des Akkus verbraucht hat. Ich stellte einige Sync-Dienste von Google Play ein und dadurch hat sich die Akku Laufzeit deutlich verbessert. Fragwürdig warum Google ein Produkt mit solch großen Mängeln ausliefert. Nach einiger Recherche im Internet scheint es das Problem mit dem Mediaserver schon seit Jahren zu geben. Ich möchte nicht wissen wie viele Kunden aktuell verzweifeln weil ihr Nexus 5 Akku miserabel hält. Nachdem ich das Problem mit dem “Mediaserver” hinbekommen habe, hat sich die Akku Laufzeit stark gebessert. Man kommt durch den Tag, muss allerdings aufpassen.10 Minuten Asphalt 8 unter freiem Himmel ziehen auch fast 10% Akkukapazität. Man kann also ziemlich schnell den Akku leer machen. Das iPhone unter Extremnutzung hält bei mir zumindest 3–4h durch.

Ein weiteres Problem das ich bei Android sehe sind Apps die im PlayStore verfügbar sind, die eine absolut miese Performance bieten und gleichzeitig noch irgendwo im Hintergrund am Akku nagen. Hier sollte Google eine bessere Qualitätskontrolle vornehmen.

Momentan bin ich mit der Akkulaufzeit ganz zufrieden. Eventuell bessert hier Google auch noch per Software-Updates nach. Aus meiner Sicht muss man bei iOS weniger auf den Akku achten und kann einfach das Gerät nutzen, wohingegen man bei Android sich oft selber ums Energiemanagment kümmern muss. Also lieber Hersteller, arbeitet an eurer Software und Hardware anstatt größere Akkus zu verbauen.

** Fazit:**

Google präsentiert mit dem Nexus 5 ein Top-Smartphone für einen sehr guten Preis. Google hat sich im Gegensatz zu Apple entschieden ein Kompromiss zu bauen. Das heißt wir setzen uns ein Preispunkt und schauen dann was wir damit hinbekommen. Ich würde mir für das nächste Nexus Smartphone wünschen das Google eben das “beste Smartphone” baut ohne irgendwelche Kompromisse.

Ich empfehle das Nexus 5 für alle Leute die unbedingt ein Android-Smartphone wollen oder ein Gerät für unter 400€. Ernsthafte Konkurrenz in dem Preissegment sehe ich eigentlich nur durch das Nokia Lumia 925, das ich ebenfalls für ein sehr gutes Produkt halte.

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