Nachdem ich in Teil 1 auf die Hardware und einige Anwendungszwecke der Raspberry Pi eingegangen bin, möchte ich im zweiten Teil mein favorisiertes Use-Case vorstellen. Die Raspberry Pi als Media Center für den Fernseher (oder großen Monitor). Dazu stelle ich drei größere Distributionen vor und gebe Allgemein einige Tipps und Anmerkungen zum Pi. Installationsanleitungen habe ich immer verlinkt, da es bereits genug von diesen im Netz gibt.

Um auf der Raspberry Pi überhaupt Software auszuführen, benötigt man eine SD-Karte. Empfehlenswert ist eine möglichst schnelle und mindestens 2 Gigabyte große Karte, um lange Ladezeiten zu vermeiden. Ich benutze hier eine Transcend Extreme-Speed SDHC 16GB Karte, die es z.B. bei Amazon für unter 12€ gibt. Die Karte bietet Schreib und Leseraten von um die 20MB/s.



Die SD-Karte wird dann am PC (Windows, Mac, Linux) mit dem ausgesuchten Betriebssystem bespielt.

Für den Einsatz als Media Center gibt es drei größere Distributionen, die ich alle durchprobiert habe:

Alle drei bieten als Frontend XBMC während im Hintergrund ein minimales Linux System läuft. In den jeweils aktuellen Entwicklerversionen nutzen alle bereits XBMC Frodo (v.12) das momentan allerdings noch im Release Candidate 3 steckt, also noch nicht ganz fertig ist. Allgemein gibt es momentan noch kein stabiles Release der Distributionen, da noch eine Menge Entwicklung passiert. Empfehlenswert ist also immer die aktuellste Entwicklerversion zu verwenden.

Folgende Features bieten alle drei der vorgestellten Distributionen:
  • XBMC als Frontend
  • einen vollautomatischen Installer
  • 1080p Video Wiedergabe (H264, für VC1 und MPEG2 kann man günstige Lizenzen kaufen)
  • Streaming über die Netzwerkprotokolle: SMB, NFS, AFP, FTP, DLNA, Airplay, HTTP
  • CEC Unterstützung um die Steuerung komplett über die Fernbedienung des Fernsehers zu ermöglichen.

Nun gehe ich auf einige Eigenheiten der drei Distributionen ein:

Raspbmc

Raspbmc war wohl die erste größere Distribution für den Raspberry Pi. Sie basiert auf einem stark abgespeckten Debian.



Eine Anleitung um das Image auf eine SD-Karte zu spielen findet man hier für Windows und Mac/Linux.



In der aktuellen Version bietet sie folgenden Mehrwert:
  • sehr kleines SD-Karten Image (20Mbyte). Lädt dann allerdings alle benötigten Komponenten während der Installation aus dem Netz
  • Auto Konfiguration der Sprache/Region. Zeitzone muss manuell eingestellt werden
  • Auto-Updater
  • Unter Programme findet man einen Raspbmc Einstellungsdialog, der es u.a. ermöglicht die Raspberry Pi zu übertakten oder Mpeg2 bzw. VC-1 Lizenzen freizuschalten
  • ermöglicht es alle Pakete aus dem Debian Repository nachzuinstallieren

OpenELEC

OpenELEC gibt es schon etwas länger und war anfangs dafür gedacht ein minimales Linux System als Unterbau mit XBMC als Frontend zu bieten. Gezielt war es vor allem auf HTPCs, später aber auch speziell auf Nettops mit eingebauten Grafiklösungen von Nvidia (Ion) und ATI (Fusion). So war es möglich für 200-300€ ein kleines MediaCenter zu bauen.



Die Installationsanleitung für OpenELEC findet man hier.


  • ca. 1Gbyte großes SD-Karten Image, dass auf die SD-Karte kopiert werden muss. Anschließend aber keine Online-Installation nötig
  • Auto-Updater
  • Auto Konfiguration der Sprache/Region. Zeitzone muss manuell eingestellt werden
  • OpenElec Einstellungen, die allerdings sehr allgemein sind und nicht extra für den Raspberry Pi optimiert worden sind. Um tiefere Einstellungen zu machen muss man per SSH connecten

xbian

xbian basiert auf einem stark abgespeckten Raspbian (offiziele Distro von Raspberry Pi).
Die Installationsanleitung gibt es hier.

  • Ebenfalls 1Gbyte großes und fertiges SD-Karten Image.
  • Soll Performance mäßig am besten sein, da hier u.a. auf der Raspberry Pi selber kompiliert wird (was >1 Tag dauert). Gemerkt hab ich aber keinen Unterschied
  • Update etwas komplizierter (SSH apt-get upgrade ...)
  • Keine automatischen Spracheinstellungen
  • Keine GUI-Einstellungen (nur XBMC). Konfiguration komplett über SSH.

Fazit:


Alle drei Distributionen sind sehr ähnlich und Unterschiede sind nur in den Details wahrnehmbar. Ich selbst nutze momentan Raspbmc, da ich hier ohne SSH fast alles über die GUI konfigurieren kann. Außerdem reagiert die Oberfläche um einiges schneller wenn sie in 720p dargestellt wird. Besonders bei großen Datenbanken mit viel CoverArt (Filmcovern etc.) macht sich das bemerkbar.

Bei der Videoperformance sind alle auf gleichem Stand.

Raspberry Pi - Performance Optimierung

Um das Optimum aus der Raspberry Pi rauszuholen, hier einige Tipps.

  • Genug Strom. 5V mit mindestens 800mA sollte das Netzteil stark sein. Ich empfehle allerdings gleich ein Netzteil mit 1A zu nehmen, um ggf. genug Reserven zum Übertakten zu haben.
  • Schnelle SD-Karte. Ich benutze eine Transcend 16Gbyte Class 10 Karte mit der man ca. 20MB/s Lesen und Schreiben kann. Man merkt den Unterschied definitiv bei Ladezeiten aber auch beim Buffering von Video.
  • DolbyDigital / DTS Passtrough richtig konfigurieren. Wenn der Ton über einen AV-Receiver geht oder über einen TV der DolbyDigital und DTS decodieren kann, solltet ihr das Signal ungefiltert durchgeben (Passtrough), so dass der TV die komplette Decodierung übernimmt. Falls das TV-Gerät das nicht kann, wird hier die CPU der Raspberry Pi stark belastet. Bei hohen Bitraten mit DTS kann es dann evtl. zum Ruckeln kommen. Abhilfe? Übertakten
  • Übertakten. Die Pi lässt sich relativ leicht übertakten und das auch ohne Garantieverlust (zumindest wenn man nichts an den Spannungen ändert). 850Mhz Cpu Takt sollten locker drin sein. Manche User berichten sogar von bis zu einem Ghz. Ich empfehle hier einfach Raspbmc zu nutzen und in den Einstellungen den Modus auf Fast zu stellen (Bei Super kann es zu Bildfehlern kommen).
  • Nutzt NFS für Dateifreigaben. Im Gegensatz zu SMB (Microsoft) oder AFP (Apple) ist NFS komplett offen und ermöglicht es so relativ einfach diese Protokoll effizient zu implementieren. Aus diesem Grund solltet ihr wenn möglich NFS nutzen. Alternativ kann man auch FTP nutzen, das ähnlich hohe Datenraten ermöglicht. AFP führte bei mir immer wieder zu längeren Buffer Pausen.
  • Nicht zu viel Hintergrunddienste installieren. Falls ihr z.B. OwnCloud und parallel dazu XBMC wollt, würde ich Euch empfehlen zwei Pis zu kaufen. 

Weitere Anmerkungen:

Da letztes Mal in den Kommentaren noch ein paar Fragen aufkamen will ich hier nochmal etwas drauf eingehen.

Wo kriegt man die Raspberry Pi möglichst günstig?

In Deutschland: Exp-Tech, wenige auf Lager. Preis mit Versand ca. 43€

UK: Farnell, die haben eine Menge auf Lager und Lieferung sollte auch < 1 Woche dauern. Preis mit Versand ca. 44€ (lohnt sich eigentlich nur wenn man mehr als eine bestellt)

Brauche ich eine Fernbedienung?

Nicht unbedingt. Die Pi unterstützt CEC. Damit könnt ihr, falls das euer TV auch kann die Pi mit der Fernbedienung vom Fernseher steuern. So nutze Ich Sie auch zu 90%.

Eine andere Alternativ ist die Steuerung per App für iOS/Android oder Windows Phone. Dazu gibts dann hier später noch einen separaten Post.

Es gibt wohl auch noch die Möglichkeit einen externen IR-Receiver an die Pi anzuschließen. Damit hab ich mich aber noch nicht befasst.


Wie schaut es mit 24Hz und der Performance aus?

Die Pi unterstützt 24p Out. Dazu einfach in den Videoeinstellungen die Option "Bildwiederholfrequenz automatisch an Video anpassen" auf Immer stellen.

Die Pi spielt H264 Video in 1080p bis 40Mbit Bitrate dank Hardwarebeschleunigung ruckelfrei ab. Wo es Probleme geben kann, ist bei der Dekodierung von DTS. Dazu lest ihr am besten weiter oben die Lösungsmöglichkeiten.

Für VC-1 und Mpeg2 kann man sich Lizenzen zwischen 2 und 3€ kaufen. Die beiden Video Formate werden dann auch problemlos wiedergegeben.

Xvid und Divx spielt er bei mir problemlos und ruckelfrei ab (ohne zusätzlich erworbene Codecs).

Die Oberfläche von XBMC ist jetzt nicht superflüssig aber doch sehr angenehm zu bedienen. Längere Ladezeiten hat man eigentlich nie.

Wie sieht es mit 3D Wiedergabe aus?

3D Material im Side by Side Format (SBS) oder untereinander ist problemlos abspielbar. Hier muss dann allerdings im TV der 3D Modus richtig eingestellt werden. Beachtet hierbei jedoch, das die GUI dann unleserlich wird da das Bild links und rechts übereinander gelegt wird. Auch vorhandene Untertitel sind damit nicht mehr lesbar. Das Untertitel Problem ist aber lösbar. Wie beschreibe ich hier.

Blu-Ray 3D wird nicht unterstützt, weil es XBMC (noch) nicht kann. Vermute aber auch das die Pi nicht genug Leistung hat um zwei 1080p Streams zu handeln. Wird also vermutlich mit der aktuellen Generation nie möglich sein.

LiveTV?

Ja, man kann mittlerweile auch LiveTV über die Pi schauen. Allerdings braucht Ihr dazu einen Streaming Server (z.B. einen HTPC mit VDR oder eine Dreambox). Ich nutze eine Vu+ und es funktioniert erstaunlich gut (auch HD Sender). Dazu gibt es dann in Zukunft auch mal einen Post



So das war dann erstmal genug für Teil 2. Im dritten Teil wird es dann vermutlich ein Video mit einer Live-Demonstration geben. Werde dann aber vermutlich ab und an ein Post zur Pi (LiveTV, 24p Analyse, RemoteApps, AirPlay) machen.

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