Ich besitze nun seit ca. 6 Monaten einen Kindle 3 in der WIFI Version.
Auf die Idee einen zu kaufen bin ich zufällig gekommen, als ich auf Amazon.de war und es dort einen Link zum Vorbestellen des Gerätes gab.

Ich besaß vorher noch nie einen eReader und hab auch nie einen in der Hand gehalten oder ausprobiert. Den Gedanken an einen eReader hatte ich dagegen schon lange. Ein kleines, portables Gerät auf dem ich alle meine Bücher mitschleppen konnte, Notizen und Markierungen in Büchern vornehmen konnte und ein ganze neues Lesegefühl kennen zulernen waren schon immer ein kleiner Traum.


1. Fakten
Nach einigen Recherchen war ich etwas enttäuscht, dass das Angebot an Deutschsprachigen Büchern fast nicht existent ist. Trotzdem entschied ich mich den Kindle vorzubestellen, da viele Gründe dafür sprachen:

  • Der Preis war sehr verlockend inkl. Zoll, Steuern und Versand kostete das Gerät zu dem damaligen Wechselkurs ca. 150€. Für den Preis gab es in Deutschland kaum Alternativen.
  • Technisch ist der Kindle 3 auf dem neuestem Stand. Ein neues "Pearl-Display", dass den Kontrast erhöht und eine komplett neue Firmware machten das Gerät einzigartig.
  • Englisch Bücher gibt es sehr viele (momentan 600.000) und da ich mir vornahm mehr auf Englisch zu lesen, war das natürlich ideal.
  • Deutsche Bücher gibt im Kindle Store zwar wenige, aber die Auswahl an DRM-Freien EPUBs die man in das Kindle Format problemlos konvertieren kann ist ganz in Ordnung. Mittlerweile gibt es auch einige Verlage, die DRM-Freie ebooks anbieten wie z.B. BASTEI LÜBBE. DRM Freie ebooks findet man z.B. bei beam-ebooks
  • Es gibt eine Menge älterer Bücher, die komplett kostenlos zur Verfügung stehen. Eine große Auswahl findet man z.B. bei Guttenberg
  • Ein deutscher Kindle-Store wird mit hoher Wahrscheinlichkeit irgendwann in den nächsten Monaten angekündigt.
  • Akkulaufzeit ist gigantisch. Bei 2 Stunden Lesen am Tag hält der Akku bei mir ca. drei bis vier Wochen. Wenn das Gerät nur rumliegt hält es vermutlich ewig, da nur bei Seitenwechseln Strom gebraucht wird.
  • Augenfreundliches Display. Im Gegensatz zum iPad und normalen Monitoren, verwendet der Kindle ein eInk Display. Diese relativ neue Displaytechnologie ermöglicht es, auch bei starker Sonneneinstrahlung problemlos zu lesen. Wie bei einem echtem Buch eben. Der Nachteil dieser Display Technologie: Bisher sind nur 16 Graustufen darstellbar, und keine Farben. Da diese Gerät aber auch überwiegend zum Lesen gedacht ist, ist das meiner Meinung nach kein Problem.
Dagegen sprachen:
  • Die meisten Deutschen Bücher die es als EPUBs gibt (z.B. bei Libri) sind mit DRM "verseucht". Damit ist es auf legalem Wege nicht möglich diese Bücher so zu konvertieren, damit man sie auf dem Kindle lesen kann. Ein Update für den Kindle um EPUBs zu unterstützen wird wohl auch nicht erscheinen, da Amazon am eigenem MOBI Format festhält.
  • Die Preise bei eBooks liegen meist noch auf dem selben Niveau wie die Preise der Taschenbücher, und manchmal sogar, wie die der Hardcover ! Das hat viele Gründe und wird sich in Zukunft hoffentlich schnell ändern. Im Amazon.com Kindle Store sieht man vermehrt den Trend von Autoren, ihre Bücher selber zu vermarkten und dafür billigere Preise zu bieten. Das ist eine Win-Win Situation für den Autor und den Kunden. Wenn die Verlage hier nicht schnell umdenken, droht ihnen meiner Meinung nach ein ähnlicher Untergang wie der Musikindustrie.
2. Das Gerät
Der Kindle 3 misst 191 x 122 mm und wiegt dabei 241g. Die Dicke beträgt gerademal 8,5mm, also weniger als auch die modernsten Smartphones ala iPhone 4.

Es hat ein 6 Zoll Display (15,2cm), und bietet 4Gbyte an Speicherplatz wovon 3,2Gbyte belegbar sind. Da die meisten Bücher zwischen 0,5 und 1Mbyte groß sind, kriegt man so locker über 3000 Bücher auf das Gerät.
Dieser Umstand macht es auch verschmerzbar, dass ein SD-Karten Slot fehlt.

Die Umblättertasten, die sich auf der linken und rechten Seite des Gerätes befinden, lassen sich hervorragend bedienen und sind fast lautlos, so dass sie beim Lesen nicht stören.


Die Tastatur ermöglicht es Notizen einzugeben und noch einige weitere Sache. Der Druckpunkt der einzelnen Tasten ist gut geglückt, so dass einem bequemen Schreiben nichts im Wege steht. Natürlich ist die Tastatur nicht zum Schreiben längerer Texte gedacht, aber sie erfüllt ihren Zweck optimal (Notizen, Im Web surfen)

Auf der Unterseite des Gerätes gibt es von Links nach Rechts, einen Lautstärkeregler, einen Kopfhöreranschluss, einen MicroUSB Anschluss zum Laden und der Dateiübertragung sowie einen Ein/Aus Slider.


Insgesamt macht das Gerät einen sehr guten Eindruck. Nichts knarzt oder wackelt. Alles sitzt bombenfest und lenkt so vom Lesevergnügen niemals ab.


3. Die Software
Aktuell ist die Softwareversion auf dem Stand 3.1 . Auslieferungszustand war 3.0.0. Amazon bietet also regelmäßig Updates an, die Fehler beheben aber auch neue Funktionen hinzufügen.
Das Menü des Kindles ist übrigens komplett auf leicht verständlichem Englisch und lässt sich auch nicht umschalten.

An Buchformaten liest der Kindle: azw, txt, mobi, html, prc, pdf aber leider kein epub

An Bildformaten akzeptiert er: JPEG, GIF, PNG, BMP

Mit MP3 und AA (Audible Audio) kommt das Gerecht ebenfalls zurecht. Hierbei wird der Ton über die integrierten Lautsprecher auf der Rückseite ausgegeben oder wahlweise über Kopfhörer (nicht beigelegt).


Die integrierte Funktion zum Abspielen von Audible Hörbuchern habe ich schon einige Male genutzt. Dabei merkt sich der Kindle natürlich die Stelle an der man aufgehört hat zu hören, und man kann später an dieser weiterhören.


Die Buchsortierung auf dem Gerät ist allerdings nicht optimal gelöst. Man kann seine Bücher sortieren nach: "Kürzlich gelesenen", "Titel", "Autor" und "Collections".
"Collections" ist meiner Meinung nach das Beste, da man hier Sammlungen erstellen kann und in diese dann Bücher hinzufügen.
So kann man z.B. zu einem Autor eine Collection erstellen, der man dann den Names des Autors gibt. Nun kann man einzelne Bücher des Autors dort hinein importieren.

So sieht z.B. eine Collection "Klassiker" auf meinem Kindle aus:
Trotzdem wird es schnell unübersichtlich wenn man sehr viele (über 100) Bücher auf dem Gerät hat. Hier wäre eine Art Ordnerstruktur angebracht.
Eine Suchfunktion um einzelne Bücher oder Textpassagen zu finden(in seiner gesamten Sammlung) gibt es natürlich auch.

Im Einstellungsdialog kann man eine Menge Sachen den Vorlieben nach anpassen:

Auch bietet Amazon den Menüpunkt "Experimental" an, wohinter sich ein Browser, ein MP3 Player und die Text-to-Speech Funktion verbirgt.
Der Web Browser ist trotzt "Experimental" überraschend gut gelungen und über Wlan auch relativ schnell. Trotzdem macht das Surfen auf einem Smartphone oder Tablet viel mehr Spaß, da beim Kindle Farben fehlen und auch die Navigation ziemlich schlecht ist. Um ab und zu einen längeren Artikel aus dem Netz zu lesen ist das Gerät aber sehr gut geeignet.
Der Browser bietet übrigens auch einen "Article Mode", der versucht den Text so gut wie möglich für den Kindle zu optimieren. Bei vielen Artikeln klappt das auch hervorragend. Auch bietet der Browser Lesezeichen, Javascript und vieles mehr.

4. Lesen auf dem Kindle
Nun kommen wir zum wichtigsten Thema. Wie ist das Lesevergnügen auf dem Kindle und in wie weit ist es anpassbar.

Das geringe Gewicht und die kompakte Bauart machen es problemlos möglich den Kindle mit einer Hand zu halten und auf ihm zu lesen. Meiner Meinung nach sind 6" ein bisschen zu klein, da man im Gegensatz zu einem echten Buch weniger Platz hat. 7" oder 8" wäre hier ideal gewesen. Für Leute die viel mit PDFs arbeiten empfehle ich sogar den 10" Amazon Kindle DX in Betracht zu ziehen.

Das umblättern geschieht gefühlt innerhalb einer Sekunde und stört den Lesefluss nicht in geringster Weise.
Beim Lesen kann man die Schriftgröße, Schriftart, Zeilenabstand und die Wörter pro Zeile je nach Vorliebe einstellen. Dies funktioniert natürlich nur bei Büchern die nicht im PDF Format sind. 
PDF Bücher zu lesen ist auf dem 6" Display ziemlich umständlich, wenn die PDF Seiten ziemlich groß sind (z.B. Magazine). Ständiges gezoome geht hier irgendwann auf die nerven, da wäre ein 10" Gerät definitiv besser geeignet.

Mit etwas Aufwand kann man allerdings PDFs in das MOBI Format umwandeln. Wie das geht erkläre ich hier in einem anderem Blogpost.


5. Sonstiges
Zusätzlich zum Kindle bestellte ich damals auch ein passendes Ledercover von Amazon dazu. Das Cover kostet 30$ ist aber wirklich hervorragend geeignet um den Kindle darin zu schützen.
So kann man das Cover nicht nur zum transportieren benutzen, sonder auch gleich darin lesen.

Das Leder ist sehr hochwertig und macht einen edlen Eindruck.
Die Befestigung am Cover ist hervorragend gelöst.
Für etwas mehr Aufpreis gibt es das gleiche Ledercover auch mit einer integrierten LED-Leuchte, um damit im Dunkeln zu lesen.

Fazit:
Keine einzige Minute hab ich den Kauf des Kindles bereut. Für ~150€ bekommt man ein hervorragenden eReader der technisch ganz oben mitspielt.
Seit ich den Kindle besitze, lese ich insgesamt viel mehr. Besonders Englische Bücher die man im Kindle Store komfortabel Kaufen und Probelesen kann haben es mir angetan.
Die FAZ ist übrigens auch im Kindle Store verfügbar und macht, bis auf fehlende Bilder, einen sehr guten Eindruck. Allerdings kann man auch mit Calibre, mit dem ich so gut wie alle meine eBooks verwalte, problemlos Feeds von Nachrichtenseiten an seinen Kindle schicken lassen. Völlig kostenlos und sehr komfortabel. Wie das genau geht klär ich später in einer eigenen Anleitung.

So das war's wenn ihr noch Fragen habt, könnt ihr diese bei den Kommentaren posten.

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